Kürzlich hatte ich die Chance, einen EPSON WF-3620 kostenlos zu übernehmen. Eigentlich ein tolles Gerät für den fortgeschrittenen Heimbetrieb: Einzug-Scanner mit Duplex, Tintendruck mit Duplex, günstige Aftermarket-Patronen, Ethernet, WiFi, Front-USB und Steckkartenanschluss, Faxfunktion. Für seine Zeit 2013/2014 ein tolles Gerät, welches, sofern voll funktionstüchtig, auch heute noch eine gute Figur macht. Der Haken: Die schwarze Farbe funktioniert gar nicht.
Erster Funktionstest und erste Düsenreinigung
Drucker angeschlossen, großflächig schwarz gedruckt: Nichts. Kein bisschen schwarze Farbe auf dem Papier. Der WF-3620 besitzt einen flachen Druckkopf über welchem die Patronen eingesteckt werden. Der Ansaugweg ist hier im Vergleich zu anderen Modellen recht kurz. Also eine Düsenreinigung durchführen. Bis hierhin leider kein Erfolg.

Aftermarket-Patronen unbekannten Alters und merkwürdige Tintensauerei über der schwarzen Patrone
Also den Drucker geöffnet um die Patronen zu prüfen. Die Patronen besaßen alle auf der Seite ein Label der „All4Printing GmbH“ aus Essen. Eine kurze Recherche zeigt: Das ist ein bereits seit 2022 nicht mehr existierendes Unternehmen, was ein hohes Alter der Patrone nahelegt. Die Fertigungsqualität mancher Aftermarket-Patronen ist schlecht, jedoch möchte ich mir hier kein Urteil über das Produkt als solches erlauben. Sofort auffällig: Das Label der schwarzen Patrone war vollständig mit schwarzer Farbe gesättigt. Im Patronenhalter waren überall schwarze Farbreste. Außerdem: Das Lüftungsloch der Patrone war überklebt und damit nicht funktional. Der Aufkleber wurde daraufhin entfernt.

Weitere Druckvorgänge, Reinigungsvorgänge und erste Erfolge
Durch weitere Druckvorgänge von schwarzen Seiten sowie ein paar mehr Reinigungsvorgänge konnte schließlich schon bald schwarze Farbe erkennbar werden. Damit war sichergestellt, dass der Druckkopf überhaupt technisch noch funktionierte und tatsächlich nur verstopft war. Jedoch stellte sich nun das nächste Problem ein: Mit steigender Druckfrequenz wurde die Tintenverfügbarkeit wieder schlechter, es schien, als würde die wahrscheinlich uralte Aftermarket-Patrone nicht genug Tinte liefern und diese nur langsam nachlaufen. Bis hier fiel auf, dass die Patrone 2-3 mal schlicht ausfiel (vermutlich Kontaktverlust des Chips) und auch nur etwas schief in den Patronenhalter passte.

Reinigungsversuche
Ein alternativer Reinigungsversuch umfasste das unterlegen des Druckkopfes mit einem feuchten, warmen Tuch. Das Ziel ist hierbei, Tintenreste und eingetrocknete Pigmenttinte zu lösen und somit den Druckkopf und seine Düsen wieder gangbar zu machen. Trotz guter Einwirkzeit brachte das aber keinen signifikanten Erfolg.
Teurer Original-Patronenersatz
Zum Test erwarb ich also eine originale T2711 (oder auch EPSON 27) Patrone beim ortsansässigen Einzelhandel, von dem ich glaube, dass er sie führen könnte. Kostenpunkt 22,99€. Die originale EPSON-Patrone wurde nicht nur einwandfrei erkannt, sondern lieferte auch sofort bessere Ergebnisse im Düsentest, immer mehr Düsen wurden sichtbar und blieben dann auch sichtbar. Bessere, schwarzere Farbe ebenfalls.



Der Prozess dauert an
In der Hoffnung, wirklich (fast) alle Düsen frei zu bekommen, lasse ich den Drucker nun täglich ein paar Stunden stehen, drucke, mache einen Düsentest, lasse ihn wieder stehen, mache 1 bis 2 mal am Tag eine Düsenreinigung. Der Prozess dauert recht lang, jeder Durchlauf bringt derzeit jedoch 1-2 neue Düsen zurück ins Leben. Solange dieser Trend andauert, werde ich dieses Thema also entsprechend weiterverfolgen.
Vorläufiges Fazit
Da ich nicht weiß, wie lange der Drucker stand oder wie alt die Aftermarket-Patrone war oder wie häufig gedruckt wurde, fällt eine Einordnung hier schwer. Das Gerät ist recht günstig gebraucht auf eBay zu finden. Wenn ich das Gerät so wieder nutzbar bekomme, freut mich das. Für die meisten einfachen Anwender wäre das Gerät sicherlich im Elektroschrott gelandet, da der Neukauf in Anbetracht des zeitlichen aber auch finanziellen Investments mit Risiko (Patrone kaufen, vielleicht bringt das nur gar nichts) sowie des Gerätealters von etwa 12 Jahren, am sinnvollsten erscheint.
4 Tage später
Mittlerweile sind nur noch 15 schwarze Düsen frei von Farbe. Spülungen und Testdrucke alle 6-8 Stunden führten zu einem Ergebnis:
67 -> 55 -> 53 -> 48 -> 37 -> 39 -> 27 -> 25 -> 18 -> 15
Die Anzahl an Düsen für die Farbe Schwarz beträgt 400. Berücksichtigt man das, stellt das eine große Verbesserung dar. Die letzten Düsen halten sich hartnäckig verstopft, weshalb ich gestern zusätzlich eine Spülung mit Düsenreiniger der Firma octopus vorgenommen habe. Mit eingeschränktem Erfolg (25 -> 15 verstopfte Düsen).
Rückschlag mit anderen Farben
Während meiner Versuche der Düsenreinigung setzte sich dann leider die nächste Farbe zu, Magenta. Da die Farben Cyan, Magenta und Gelb noch nicht getauscht worden waren und ebenfalls im Paket der schlechten schwarzen Patrone kamen vermute ich hier den Auslöser. Offenbar ist die Farbe sehr alt und ausgeflockte oder angetrocknete Partikel hatten sich gelöst und zügig die Düsen zugesetzt.
Auch nach dem Tausch gegen andere Patronen wurde dieses Problem nicht besser. Bei einer Spülung mit dem Düsenreiniger der Firma octopus offenbarte sich das gesamte Elend: Beim Spülen zeigten sich in der Spülleitung große ca 0,5×2 mm große, feste Farbplättchen, welche sich über den Testzeitraum langsam gelöst haben müssen. Da die Spülung/Reinigung mit der teuren Originalfarbe keinen Sinn ergibt, warte ich hier für weitere Schritte auf eine günstige nicht-originale Patrone um eventuell noch etwas zu erreichen.
2. Vorläufiges Fazit
Es zeigt sich, dass Persistenz tatsächlich hilft und die Düsen durchaus wieder gangbar zu machen sind. Die Frage, welche sich stellt ist lediglich, ob die Zeit und finanzielle Kosten sich gegenüber eines Neukaufes lohnen. Es steht bereits fest, dass das nicht der Fall ist. Patronen (1x 27 schwarz, 1x 27XL schwarz, 1x 27 Cyan, 1x 27 Magenta, 1x 27 Gelb) und zeitlicher Aufwand stehen bereits jetzt in keinem Verhältnis, eine kurze Kostenaufstellung:
- Originalpatronen bis jetzt (siehe oben) 115€
- Kompatible Patronen in Bestellung 22€
- Resttintentank 30€
- Spülset 100 ml 16€
Zum Vergleich: Ein aktueller Epson WorkForce Pro WF-4820DWF liegt bei 120€ mit einem Starterset an Farben.
Abschluss
Nun folgt meine letzte Ergänzung zum Thema. Nach einigen Tagen und Versuchen sind weiterhin etwa 20 Düsen der Farbe schwarz nicht funktionstüchtig. Der Rest ist jedoch nun völlig in Ordnung. Alle Farben funktionieren einwandfrei.
Zum Erfolg nach dem vorherigen Totalausfall führte das vorsichtige Durchdrücken der einzelnen Farben mit Spüllösung. Offenbar war bei einem vorherigen Versuch Luft in den Kopf gelangt, sodass er teils über mehrere Seiten hinweg gar nichts mehr aufs Papier brachte.
Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber kann sich sehen lassen. Der Drucker ist funktional und insbesondere für den Dokumentendruck sind die nicht funktionstüchtigen Düsen fast nicht erkennbar. Mit günstigen, kompatiblen Patronen ist er im Druck auch nicht so schmerzhaft teuer, ein kurzer Vergleich:
| günstigstes Angebot, original | expert, original | günstigstes Angebot, kompatibel | |
| Schwarz, 27XL | 31,45 € | 46,99 € | 2,10 € |
| CMY, 27XL | 68,98 € | nicht vorhanden | 3,60 € |
| CMY, 27 | 29,81 € | 41,99 € | siehe 27XL |
In meinem Test war dabei die Reichweite der Patronen original vs. kompatibel gleich. Lediglich die Farbintensität, insbesondere der Farbe Schwarz, ist bei der kompatiblen Patrone schlechter.
Der Resttintentank kann sich durch häufige Druckkopf-Reinigungen schnell füllen. In dem Fall empfiehlt es sich, direkt einen leeren T6711 Resttintentank vorliegen zu haben. Über den gesamten Testzeitraum füllte der Tank sich etwa um 10%.

Endgültiges Fazit
Habt ihr Spaß an der Sache und kommt in die Verlegenheit: Macht das. Ansonsten: Finger weg. Zeit- und finanzieller Aufwand steht in keinem guten Verhältnis zum Ergebnis. Eigentlich schade. Diese alten Geräte funktionieren ansich einwandfrei und sind tolle Geräte mit einer tollen technischen Ausstattung, insbesondere für die damalige Zeit, aber auch noch heute. Der Treibersupport ist durchweg exzellent – Windows, Linux, alt wie neu. Lasst mich in den Kommentaren gern eure Meinung und positive oder negative Geschichten wissen.
Ein bisschen späterer Nachtrag
Es sind nun ein paar Wochen vergangen, in denen ich den Drucker gelegentlich im normalen Einsatz hatte. Mittlerweile sind von 15 übrigen Düsen, welche hartnäckig verstopft waren, nur noch 6 übrig. Eine ist zusätzlich noch etwas schwach. Persistenz und Geduld scheinen sich hier auszuzahlen:

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